Das Vöslauer Thermalbad

Im Mai 1816 erwarb Moritz I. Graf Fries bei einer Versteigerung den „warmen Bach“, der eine Mühle betrieben hatte. Durch hunderte Fuhren Schotter, die er im sumpfigen Teich versenkte, befestigte er den Boden und es entstand so der erste Badeteich.

Der Konkurrenzkampf mit der benachbarten Kurstadt Baden führte im Jahre 1868 zu einem umfangreichen Ausbau des seit 1822 bestehenden Waldbades. Dank der großzügigen Förderung des kunstsinnigen Moritz II. Grafen Fries, wurde der Entwurf Theophil Hansens verwirklicht. Die äußerst malerische Gruppierung des kleinen achteckigen Kassenhäuschens inmitten eines Landschaftsgartens blieb bis 1925 bestehen. In diesem Jahr wurde die Anlage abgerissen und durch die heute noch bestehende Form, entworfen von Peter Paul Brang, dem Erbauer des Wiener Dianabades, ersetzt.

Um den sittlichen Moralvorstellungen des 19. Jahrhunderts zu entsprechen, war die Benützung des Oberen und Unteren Schwimmteiches, des Vollbades und der Wannenbäder für Damen und Herren genau eingeteilt.

Das Vöslauer Bad war ein beliebter Ort, um schwimmen zu lernen. Im Vollbad wurde von geprüften Schwimmlehrern Unterricht erteilt. Prominente Schüler waren neben einigen Mitgliedern des Kaiserhauses auch Paul Neumann, Goldmedaillengewinner (Schwimmen) der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen, sowie Arthur Schnitzler, der in Vöslau seine ersten Schwimmversuche wagte.

„Der erste Ort, an dem wir uns während einiger Ferienwochen und auch später noch öfters aufhielten, war Vöslau, in dessen lauen Quellenbädern ich schwimmen lernte.“

Von gesellschaftlicher Bedeutung war es, dass der Graf seinen Schwestern Schwimmunterricht geben ließ – sie sollen die ersten Frauen Österreichs gewesen sein, die diese Kunst erlernt haben.

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